Ein kurzer Abriss der Skigeschichte



Wir leben heute im Zeitalter der Extremsportarten. Auf der ständigen Suche nach Neuem fand man auch im Bereich des Skilaufes zu neuen Dimensionen. High Speed skiing oder Steilwandfahren finden immer mehr Anhänger. Wir treffen sogar auf Formen, die nicht an winterliche Bedingungen gebunden sind, wie etwa Grasskilauf, Sand- oder Schotterskilauf.

All dies sind Weiterentwicklungen des sportlichen Skilaufes. Dieser entstand vor etwa 100 Jahren, als der Ski in Mitteleuropa bekannt wurde. Den 100 Jahren alpiner Entwicklung steht eine beinahe 5000 Jahre dauernde Entwicklung in der Heimat des Geräts, in Asien und Nordeuropa gegenüber. Der Mensch benutzte den Ski als winterliches Fortbewegungsmittel. Die ältesten erhaltenen Fortbewegungshilfen, welche in fennoskadischen Mooren gut konserviert wurden, waren bereits das Ergebnis einer langen Entwicklung, als deren Ausgangspunkt man sich schneereifenartige Geräte, sogenannte Trittlinge vorstellen muss.


Verwendete man den Ski Jahrtausende im Rahmen des Utilitaritätsprinzip als Hilfsmittel bei der Jagd oder im Kampf, so änderte sich dies im 19. Jahrhundert. Anfänglich Sonntagsvergnügen der Bauern, eroberte sich das Skilaufen als beliebte Freilufttätigkeit rasch weite Gebiete Norwegens.
In einer Welt mit steigender Urbanisierung, Technisierung und abnehmender gesamtkörperlicher Beanspruchung musste der sportliche Aspekt gegenüber dem Zweckaspekt als winterliche Fortbewegungshilfe immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zum endgültigen und weltweiten Durchbruch verhalf dem nordeuropäischen Flachland- und Hügelgerät der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen (1861 -1930). Einige mitteleuropäische Pioniere ließen sich nun Ski aus Norwegen kommen. Unter ihnen Julius von Payer, Wilhelm Paulke, Viktor Sohn, Wilhelm v. Arlt, Franz Reisch, sowie die beiden Steirer Max Kleinoscheg (1862-1940) und Toni Schruf (1863-1932). Letztere waren nicht die ersten, die Skilaufversuche unternahmen, sie verstanden es aber, das Schneeschuhlaufen in die Breite zu tragen. Der Mürzzuschlager Hotelier Schruf wollte die tote Wintersaison beleben und begleitete seinen Grazer Freund Kleinoscheg schon bald auf erste Touren. Das 1782 m hohe Stuhleck im Gebiet der Fischbacher Alpen nahe Mürzzuschlag wurde von ihnen bereits 1892 mit Ski erstmals bestiegen. Einige Jahre später wurde auf diesem Berg die erste Skihütte der Alpen die Nansenhütte errichtet. Zu Beginn der 90er Jahre kam es bereits zur Gründung von Skivereinen. Einer der ersten war der Verband Steirischer Skiläufer, der am Tag nach seiner Gründung, die Schruf, Kleinoscheg, und ihr Begleiter Wenderich am Gipfel des Stuhlecks 1892 bereits beschlossen hatten, am 2. Februar 1893 in Mürzzuschlag das erste Skiwettlaufen im Alpenraum durchführte. Sieger wurde Bismarck Samson, ein Norweger, der in Wien als Bäckerlehrling arbeitet.
Im darauffolgenden Jahr kam es im selben Ort zu einer Wintersportausstellung mit skandinavischer Beteiligung. Mürzzuschlag blieb nun einige Jahre Zentrum des noch jungen Sportes.
Als durch schneearme Winter die Gefahr bestand, dass das aufflammende Lichtlein des Skisports wieder erlöschen könnte, fasste man den Beschluss, dem Beispiel Stockholms zu folgen und im Jahre 1904 als Gegenpart zu den sommerlichen Spielen von St. Luis in Mürzzuschlag nordische Spiele zur Austragung zu bringen. Durch diese Großveranstaltung gelang es erneut, eine Popularisierung des Wintersports einzuleiten. Mangels der nötigen weißen Unterlage musste Mürzzuschlag aber die Staatsmeisterschaften im Skilauf an Kitzbühl weitergeben.
Inzwischen hatte der wohl bedeutendste Skipionier, Mathias Zdarsky (1856-1940), die Lilienfelder Skilauftechnik entwickelt. Im Mittelpunkt seiner Fahrweise für das alpine Steilgelände stand im Gegensatz zum norwegischen Telemark und Kristiana ein Vorlagestemmschwung. Er benutzte dazu nur einen Stock, die sogenannte Alpenlaze. Die Diskussion um die beste alpine Skitechnik wurde durch viele Jahre überaus heftig zwischen den Anhängern Zdarskys und den Verfechtern der nordeuropäischen Technik geführt. Eine Synthese zwischen den gegensätzlichen Bregenzers Georg Bilgeri (1873-1934).
Die Technik erfuhr auch in den kommenden Jahren eine ständige Weiterentwicklung. Waren es vor dem 2. Weltkrieg vor allem Hannes Schneider (1890-1955), der Begründer der Arlbergschule, Toni Seelos und Dr. Fritz Hoschek, die ihre Gedanken in die Technikentwicklung einfließen ließen, so kamen einige Jahre später Prof. Stefan Kruckenhauser und später Prof. Franz Hoppichler zu Weltruf.
Der Rennsport, als Motor der Industrie und des Freizeitsportes, ersann in dieser Zeit immer umfassendere Trainingsmethoden: Der Wochenend-Rennfahrer wurde erst ein Halbjahres-Angestellter, schließlich ein ganzjährig Vollbeschäftigter, der im sogenannten Skizirkus lebte. Der sportliche Austausch erhielt mit der Einführung des Weltcups ab 1967 und der Punktewertung den Charakter eines Meisterschaftsbewerbes.
Durch die damit verbundene Ausdehnung der Rennsaison nahm die Beanspruchung der Spitzenfahrer jedoch Formen an, die keinem Amateursportler mehr zugemutet werden konnten. Dies veränderte den Skisport entscheidend.
Neben den Profis erbringen heute aber auch Freizeitfreaks in verschiedensten Sportarten überragende Leistungen. Neue Sportarten entstehen; ausgefallen, abenteuerlich, risikoreich.
Konnte die Geschichte des Skilaufes mittlerweile weitgehend erforscht werden, so bleibt doch die Frage offen: Quo Vadis, Skisport?


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